Sonntag, 8. April 2007

Ballermann in Mitte

Man könnte vielleicht denken, wir hätten es nicht besser verdient. Wer versucht, in Mitte Tapas zu essen - und das auch noch mit dem Friedrichstadtpalast im Blick - kann nicht erwarten, leckere Pflaumen in Speck oder pikante Hackfleischbällchen zu bekommen. Wahrscheinlich hätte uns auch tatsächlich schon der erste Blick auf die Speisekarte des Por que dos? skeptisch machen müssen. Wie M. meinte: Wer über fünfzig Gerichte anbietet, kann nicht alle fünfzig in guter Qualität bereiten. Und was überhaupt hatte das Wiener Schnitzel auf der Karte zu suchen? Oder der Lachs in Dillsauce?? Was dann aber auf den Tisch kam und sich Tapas nannte, spottete jeder Beschreibung spanischer Küche. In einer Stadt, in der es so tolle spanische Restaurants wie das Vina blanca in der Sredzkistraße gibt, kann es doch in der Tat kein spanischer Kellner (oder erfüllt sich doch hier Kaminers Prophezeihung, dass die Kellner Kroaten waren, die sich ein "Adios!" und das obligatorische "Buenos dias!" angewöhnt haben...by the way: Auch hier hätte es uns vielleicht skeptisch machen sollen, dass der Kellner nicht "Buenos tardes!" gesagt hat...)...aber wo war ich gleich...klar, im Grunde kann es doch in unser schönen globalisierten und metropolisierten Stadt kein spanischer Kellner (oder einer, der sich dafür ausgibt) wagen, DAS auf den Tisch zu stellen und es Tapasteller zu nennen. Man hätte es noch eher für ein amerikanisches Barbecue genommen, schließlich fanden sich darauf Spareribbs und Chicken Wings! Lauwarm, vielleicht noch mal kurz in die Mikrowelle gelegt. Die Wurst (die eigentlich Chorizo darstellen sollte, aber als ganz mieser Schauspieler rüber kam) wurde als Lidl-Ware identifiziert. Der Schinken kam wahrscheinlich aus demselben Regal. Schade, hatte doch der Abend mit einem Besuch im Theater, wo G. eine tolle Perfomance ablieferte und meiner Ansicht nach leider viel zu selten zu sehen war, so gut begonnen. Jedem, der einen ähnlichen Abend plant, sei aus tiefstem Herzen anempfohlen, ein paar Schritte weiter zu gehen als wir heute Abend und eines der schönen Mitte-Restaurants, die es durchaus auch noch gibt, aufzusuchen! Ins Por que dos kann man höchstens Oma Käthe schicken, die noch nie in ihrem Leben gute Tapas gegessen hat und das, was einem dort vorgesetzt wird, vielleicht wirklich für spanische Küche hält. Wir jedenfalls werden nie wieder über diese Stelle treten. Und sollte der Laden ein Gästebuch auf seiner Internetseite besitzen, wird M. für einen entsprechenden Eintrag sorgen. Darauf einen Schnaps (verdaut das ganze Frittierte besser - so etwa einen komischen Fischball, in dem noch die Flosse eines unidentifizierten Meeresbewohners steckte)! Kleine Anekdote zum Schluss: Selbst die Frau am Nebentisch, die wahrscheinlich von ihrem letzten Mallorca-Ausflug ähnliches Essen gewohnt war, konfrontierte den Kellner (aus welchem Land er auch immer komme) damit, dass auf der Speisekarte Averna, Grappa, Ramazotti und Amaretto zu finden und dies ja wohl italienische und keine spanischen Schnäpse seien. Woraufhin sie sogleich auf den Sherry hingewiesen wurde. Wohl dem, der dieses Gesöff probiert...

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